ISO 24896 gibt dem Business Reporting eine gemeinsame Sprache
CEO
Als wir mit der Entwicklung von TRUECHART begonnen haben, lag das Problem nicht darin, dass BI-Tools zu wenige Möglichkeiten zur Visualisierung von Daten boten. Schon damals gab es viel Freiheit bei der Gestaltung von Reports. Schwierig war vielmehr, diese Freiheit in größeren Reporting-Landschaften konsistent zu skalieren – und das ist bis heute häufig eine Herausforderung. Jedes Team konnte eigene Farben, Layouts, Diagrammtypen, Beschriftungen und Konventionen verwenden. Das Ergebnis war viel Flexibilität, aber nicht automatisch mehr Klarheit.
In einem Report standen blaue Werte für Ist-Zahlen, im nächsten für den Forecast. Abweichungen wurden von Bereich zu Bereich unterschiedlich dargestellt. Selbst derselbe KPI konnte völlig anders aussehen, je nachdem, wer das Dashboard erstellt hatte. Und jedes Mal musste der Leser zunächst die visuelle Logik verstehen, bevor er sich mit der eigentlichen Aussage beschäftigen konnte.
Dieses Problem hat meine Arbeit mit TRUECHART über viele Jahre geprägt. Genau deshalb sehe ich ISO 24896 als wichtigen Meilenstein für das Business Reporting. Die Prinzipien dahinter sind nicht neu. Mit den International Business Communication Standards (IBCS) gibt es seit vielen Jahren einen strukturierten Ansatz, um Geschäftsinformationen klarer, konsistenter und leichter verständlich zu vermitteln.
Was sich mit ISO 24896 verändert, ist vor allem der Grad der Formalisierung und Anerkennung: Dieser Ansatz ist nun in einem internationalen ISO-Standard verankert. Für Unternehmen, die bereits mit IBCS arbeiten, bestätigt das eine etablierte Praxis. Für alle anderen schafft der Standard einen anerkannten Referenzrahmen für einen Bereich, der von Unternehmen zu Unternehmen bis heute sehr unterschiedlich gehandhabt wird.
Was ISO 24896 für das Business Reporting bedeutet
Die Grundidee ist einfach: Informationen mit derselben Bedeutung sollten auch gleich dargestellt werden. Wenn ein Wert für Ist, Forecast, Abweichung oder einen bestimmten Zeitraum steht, sollte der Leser diese Logik nicht in jedem Dashboard neu entschlüsseln müssen.
In anderen Bereichen ist dieses Prinzip für uns selbstverständlich. Technische Zeichnungen funktionieren mit festgelegten Symbolen. Verkehrszeichen sind verständlich, weil ihre Bedeutung nicht von Straße zu Straße wechselt. Für das Business Reporting gilt im Grunde dasselbe.
ISO 24896 greift Prinzipien auf, die in der IBCS Community über viele Jahre entwickelt wurden, und überführt sie in den formalen Rahmen eines internationalen Standards. Das ist relevant, weil eine einheitliche visuelle Sprache weit mehr ist als eine Frage des Designs. Sie entscheidet mit darüber, wie schnell und zuverlässig Informationen verstanden werden.

Die versteckten Kosten uneinheitlichen Reportings
Diese Kosten werden leicht unterschätzt, weil sie kaum jemand misst. Niemand schreibt „Zeit, die wir gebraucht haben, um dieses Diagramm zu verstehen“ ins monatliche Reporting-Budget. Trotzdem entsteht genau dieser Aufwand.
Ein paar Minuten zusätzliche Interpretation wirken zunächst harmlos. Hochgerechnet auf Management-Meetings, wiederkehrende Reporting-Zyklen, verschiedene Geschäftsbereiche und hunderte Berichtsempfänger kommt jedoch einiges zusammen. Noch wichtiger: Uneinheitliche Darstellungen können beeinflussen, wie Informationen wahrgenommen werden.
Farben, Skalierungen, Diagrammtypen und visuelle Hervorhebungen verändern die Wirkung einer Aussage. Eine Entwicklung kann allein durch die gewählte Skala dramatischer erscheinen. Ein Forecast kann mit einem Ist-Wert verwechselt werden, wenn beides gleich dargestellt wird. Eine gemeinsame Notation reduziert genau diese Reibung.
Die Diskussion sollte sich darum drehen, warum der Umsatz unter Plan liegt, ob ein Forecast realistisch ist und welche Maßnahmen daraus folgen. Nicht darum, zuerst die Darstellung des Reports entschlüsseln zu müssen.
Ein Standard funktioniert nur, wenn er sich im Reporting-Alltag bewährt
Hier zeigt sich oft der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Einen Styleguide zu erstellen, ist vergleichsweise einfach. Dafür zu sorgen, dass sich auch hunderte Reports dauerhaft daran halten, ist deutlich schwieriger. Eine Deadline rückt näher. Ein neuer Entwickler kommt ins Projekt. Ein anderer Bereich beginnt, eigene Dashboards zu bauen. Eine zweite BI-Plattform kommt hinzu. Mit der Zeit weichen selbst sorgfältig definierte Standards immer stärker voneinander ab. Deshalb war für mich immer klar: Reporting-Konventionen müssen direkt in den Werkzeugen verankert sein, mit denen die Menschen täglich arbeiten. Niemand sollte jedes Mal ein Handbuch aufschlagen müssen, bevor ein Diagramm erstellt wird. Die Software sollte dabei helfen, dass die richtige Darstellung ganz selbstverständlich zur einfachsten Wahl wird.

Wie TRUECHART+ diese Prinzipien in die Praxis bringt
Diese Denkweise ist tief in TRUECHART+ verankert. IBCS Prinzipien prägen das Produkt von Anfang an – nicht nur darin, wie Informationen aussehen, sondern vor allem darin, wie sie strukturiert und vermittelt werden.
Ob in Microsoft Power BI, Qlik Cloud oder Qlik Sense: Es geht nicht darum, einfach weitere Visualisierungen bereitzustellen. Ziel ist es, Business Reporting einfacher zu erstellen, leichter verständlich und langfristig konsistenter zu machen.
Diagramme sind dabei nur ein Teil. Auch Tabellen, Kommentare, Vergleiche, Hervorhebungen, Planungsinformationen und zusätzlicher Kontext tragen dazu bei, wie klar eine Aussage beim Leser ankommt. Der Table Builder hilft zum Beispiel dabei, strukturierte Business-Tabellen aufzubauen und gleichzeitig einer einheitlichen Reporting-Logik zu folgen.
Die Richtung ist klar: weniger Zeit für Formatierung und Abstimmung, mehr Zeit für die Frage, was die Zahlen tatsächlich aussagen.

Was bestehende TRUECHART Kunden wissen sollten
Für Unternehmen, die bereits mit TRUECHART arbeiten, ist der Übergang zu TRUECHART+ bewusst schrittweise angelegt und nicht als harter Umstieg. TRUECHART und TRUECHART+ können parallel genutzt werden. So können Teams bereits in der neuen Umgebung arbeiten, während bestehende Reports zunächst unverändert weiterlaufen.
Die Migration bleibt dabei ein zentraler Bestandteil unserer Roadmap. Für Classic Table Comments und Table 2.0 Comments ist die Migration bis Ende Q3 2026 vorgesehen, auch bei den Perspective Comments geht es weiter voran. Für Q4 2026 und Q1 2027 sind darüber hinaus weitere Funktionen geplant, darunter eine breitere Unterstützung für Advanced Visuals, Highlighting und Compares, Small Multiples sowie eine stärkere Angleichung der Funktionen über die verschiedenen Plattformen hinweg.
Warum es dabei um mehr als gutes Reporting-Design geht
Für mich geht es bei ISO 24896 am Ende nicht darum, Diagramme schöner zu machen. Es geht darum, den Weg von der Information zum Verständnis zu verkürzen.
Unternehmen haben in den vergangenen Jahren massiv in alles investiert, was passiert, bevor ein Report beim Entscheider ankommt: Datenplattformen, Datenqualität, Cloud-Infrastruktur, Automatisierung, Planungssysteme und zunehmend auch KI. Daten können heute schneller gesammelt, verarbeitet und analysiert werden als je zuvor.
Am Ende dieser Kette muss aber immer noch jemand verstehen, was die Zahlen tatsächlich bedeuten. Wenn die Kommunikation an dieser Stelle unklar ist, geht ein Teil des zuvor geschaffenen Mehrwerts wieder verloren.
Genau deshalb verdient visuelle Business-Kommunikation dieselbe Konsequenz und Sorgfalt, die wir längst auf den Rest unserer Datenlandschaft anwenden.
Der nächste Schritt
ISO 24896 bedeutet nicht, dass die gesamte Reporting-Landschaft von heute auf morgen neu aufgebaut werden muss. Der sinnvollere Einstieg ist deutlich einfacher: eine gemeinsame visuelle Sprache definieren und sie konsequent anwenden.
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